Mobilität als gesellschaftliche Aufgabe

Das Projekt bergisch.smart_mobility soll die Herausforderungen der Mobilität von morgen auf verschiedenen Ebenen beleuchten. KI spielt dabei eine Rolle, aber auch die Menschen sind wichtig.  

Wenn man eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe vor sich hat, tut man gut daran, nicht nur die technischen und wissenschaftlichen Seiten dieser Aufgabe zu betrachten, sondern direkt die Gesellschaft mit ins Boot zu holen. Denn sie ist es letztlich, die mit den Auswirkungen der umgesetzten Aufgabe zu leben hat. Umso wichtiger wird das, wenn künstliche Intelligenz hierbei eingesetzt wird. Das ist beim Thema „Moderne Mobilität“ ganz fraglos der Fall, wie Gesa Horn von der Bergischen Universität Wuppertal berichtet. „Künstliche Intelligenz wird die Mobilität von morgen überhaupt erst möglich machen. Deswegen muss ihr Einsatz in der Mobilität auch mit und in der Gesellschaft erarbeitet, getestet und nötigenfalls optimiert werden“, sagt sie. Gesa Horn leitet das Teilprojekt 4 „Rethinking Mobility“ des Projekts „bergisch.smart.mobility“, das 2019 ins Leben gerufen wurde und voraussichtlich noch bis Anfang 2022 laufen wird.

Wie automatische Mobilität gelingen kann

Das Ziel – und gleichzeitig die Fragestellung des Projekts – ist, wie automatische Mobilität funktionieren und gelingen kann. „Wir nehmen in unserem Teilprojekt den gesellschaftlichen Aspekt in den Fokus. Die anderen Teilprojekte ‚Smart Vehicle Architecture & On Demand Service‘‚ ‚Smart fahren im Quartier‘ und ‚KI-basiertes Traffic Management‘ sind hingegen eher technisch orientiert“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Technologien und Management der Digitalen Transformation an der Bergischen Universität. Sie sehe den Handlungsbedarf als eminent wichtig an. „Es wird schwierig, neue Technologien zu implementieren, wenn die Gesellschaft nicht integriert ist“, sagt sie. Der Titel des Teilprojekts – „Rethinking Mobility“ – legt bereits nahe, dass die Mobilität als Gegenstand ganzheitlich betrachtet werden solle. „Dabei geht es um alle Bereiche des innerstädtischen Verkehrs, angefangen vom Fußgänger bis hin zum großen Linienbus und auch den innerhalb der Städte verlaufenden Zugverkehr“, sagt Gesa Horn. Man könne in diesem Zusammenhang nichts alleine für sich stehend betrachten. „Wir haben Ideen und diskutieren die dann mit den Bürgern. Aber wir wollen auch Experten mit dazuholen sowie Mitarbeiter der Kommunen“, sagt sie. Dabei werde viel gesprochen, viele Ideen entwickelt und wieder verworfen – aber das müsse genau so sein, um neue Alternativen anbieten zu können. Die nächste Veranstaltung wird wieder ein Hackathon sein. Es wird die zweite Veranstaltung ihrer Art sein und Anfang September 2021 beginnen. „Sein Titel steht noch nicht fest, es wird allerdings um eine systemische Fragestellung gehen und am 3. und 4. September stattfinden. Er richtet sich vor allem an Studierende und alle anderen Interessierte im Bergischen Städtedreieck, die mit daran arbeiten wollen, umfassende Lösungen für unterschiedliche Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu finden“, sagt Gesa Horn. Es solle ein Perspektivwechsel eingeleitet werden, um die individuelle und zeitgerechte Mobilität zu ermöglichen, die sich durch Zuverlässigkeit und Sicherheit auszeichne. „Das Prinzip der Hackathons sieht auch attraktive Gewinne für die Teilnehmenden vor“, sagt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin. In den vergangenen anderthalb Jahren habe es bereits einige Veranstaltungen gegeben – zum Glück auch schon vor Corona. Und die hätten sich auch an die verschiedenen Generationen gerichtet. „So hatten wir etwa im vergangenen Sommer einen Kreativwettbewerb für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren ausgerufen. Derzeit führen wir auf der anderen Seite Interviews mit Menschen der Generation 65 plus, um von ihren Wünschen und Ideen für die Mobilität von morgen zu erfahren“, sagt Gesa Horn. Und da ist wieder der gesamtgesellschaftliche Aspekt des Themas, dem die Mitarbeiter des Projekts mit ihrer Arbeit Rechnung tragen wollen.

 Ergebnisse fließen in Gesamtbewertung ein

Projekte haben in der Regel eine Laufzeit – so auch bergisch. smart.mobility mit seinen vier Teilprojekten. Anfang des kommenden Jahres ist dieses an seinem Ende angekommen. Und dann? „Zum Ende des Projekts hin werden unsere Ergebnisse zusammen mit denen der anderen Teilprojekte in eine Gesamtbewertung einfließen. Wir werden demnächst damit anfangen, die bisherigen Resultate zusammenzufassen“, sagt Gesa Horn. Letztlich sollen die Ergebnisse dann an die Menschen vor Ort gehen, die mit der Mobilität direkt zu tun haben. „Aber natürlich werden auch die Kommunen und Verwaltungen der drei bergischen Großstädte Wuppertal, Solingen und Remscheid informiert“, sagt die Teilprojektleiterin. Denn die würden die Mobilität von morgen schließlich umsetzen.    

Hackathons

Im Rahmen des Projekts Rethinking Mobility hat im vergangenen Herbst der erste von vier Hackathons des Lehrstuhls für Technologien und Management der Digitalen Transformation der Bergischen Universität Wuppertal und der Neuen Effizienz, der hack 4 smart cycling für Studierende und Interessierte aus dem Bergischen Städtedreieck, stattgefunden. Sie waren eingeladen, den Wandel des Radverkehrs mitzugestalten und aktiv eigene Ideen in die Mobilitätstransformation in ihrer Region einzubringen. Anfang September 2021 startet der zweite Hackathon, der einen gesamtgesellschaftlichen Fokus auf die Mobilität im Bergischen Städtedreieck legt. Das Ziel: Umfassende Lösungen für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer*innen zu entwickeln. Alle vier Hackathons legen einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von innovativen Lösungen, die durch einen eigens im Projekt aufgebauten Datenmarktplatz mit städtischen Geo-Daten gespeist und unterstützt werden können und sollen. Durch die entwickelten Lösungen soll ein Perspektivwechsel initiiert werden, um individuelle und zeitgerechte Mobilität zu ermöglichen, die sich durch Zuverlässigkeit und Sicherheit auszeichnet. Der nächste Hackathon richtet sich wieder vorrangig an Studierende und Interessierte im Bergischen Städtedreieck. Auf die Teilnehmenden warten satte Gewinne. Anmeldungen sind demnächst unter rethinking-mobility.de/ideathon möglich.

Innovationsnetzwerk

Eine Pinnwand ist ein Treffpunkt für Ideen: Das Innovationsnetzwerk SmartMobility aus dem Projekt Rethinking Mobility und Bergisch.Smart_Mobility ist ab sofort für alle eröffnet und der Austausch kann beginnen! Unsere Städte werden immer voller und nicht erst seit heute erleben wir die Auswirkungen des Klimawandels. Neue und neuartige Technologien verändern in rasendem Tempo die Art und Weise wie wir zusammenleben. Diesen Wandel wollen wir nicht passiv abzuwarten, sondern aktiv gestalten. Das bedarf zum einen kreative Personen, Macher*innen, und einen unabhängigen und offenen Ort an dem Ideen und Herausforderungen diskutiert werden und Lösungen entstehen können. Mit der Pinnwand des Innovationsnetzwerks von Rethinking Mobility möchten wir einen solchen Ort bereitstellen. Die Macher*innen sind Sie – dabei ist egal, ob Sie einen professionellen Hintergrund haben oder nicht, Teil eines Unternehmens oder einer Organisation sind, oder als private Einzelperson auftreten. Sie haben Ideen für bessere Straßen, die Parkplatzsituation in Ihrer Nachbarschaft oder gleich für das ganze Bergische Städtedreieck? Sie sind mit den Mobilitätsproblemen und Herausforderungen in Ihrer Umgebung vertraut und suchen nach kreativen Lösungsansätzen oder Kooperationspartnern? Sie möchten zeigen, woran Sie gerade arbeiten, suchen Feedback oder gar Finanzierung? Sie wissen von oder halten Events zur Vernetzung und Wissensvermittlung? Dann registrieren Sie sich, schreiben Sie einen Beitrag und tauschen Sie sich in und mit den Mitgliedern des Innovationsnetzwerks SmartMobility aus.

www.rethinking-mobility.de/innovationsnetzwerk


Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Landes NRW gefördert.  

Kompetenzzentrum für neue Mobilität

An der Bergischen Universität wurde mit den beiden Projektpartnern Hochschule Ruhr West und Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft das Förderprojekt CAMO eingerichtet. 

Es mag so verlockend erscheinen: Automatisierte Mobilität. Also autonom fahrende Busse, selbstlenkende Autos und ganz allgemein der Blick auf die Mobilität von morgen. Dabei ist es allerdings nicht ganz so einfach – denn neben den technischen Details, die von Forschung und Entwicklung landauf, landab, vorangetrieben und verfeinert werden, gibt es zahlreiche offene Fragen in den Kommunen – von Bürgern genauso wie von der Politik. Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, wurde das Centrum für Automatisierte Mobilität (CAMO) als landesweites Förderprojekt an der Bergischen Universität Wuppertal eingerichtet. Es gibt derzeit zahlreiche Projekte, die sich genau mit diesen Themenkomplexen auseinandersetzen – man denke dabei nur an das ebenfalls an der Bergischen Universität angesiedelte Projekt bergisch. smart_mobility mit seinen zahlreichen Teilprojekten.

Technische Entwicklungen, Sicherheit und autonomes Fahren

Wir sind kein Teilprojekt von bergisch.smart_mobility, arbeiten aber natürlich mit den Kollegen eng zusammen“, sagt Dr. Michael Krause vom Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie am Campus Freudenberg. Der Wissenschaftler, der im Lenkungskreis für das Projekt CAMO tätig ist, betont, dass im Zusammenhang mit dem landesweiten Projekt eine ganz spezifische Perspektive von Kommunen und deren Verwaltungen eingenommen werde. „Das Thema automatisierte Mobilität soll so neu gedacht werden können. Es geht dabei vorrangig um technische Entwicklungen, die Sicherheit oder allgemein das autonome Fahren“, sagt Krause. Vielmehr wolle man helfen, die Akteure vor Ort auf den Mobilitätswandel vorzubereiten. „Das geschieht durch Beratung, Information und Weiterbildungsangebote“, sagt der Wissenschaftler. Die Mobilitäts-Welt befinde sich insgesamt im Wandel – und die Dinge seien miteinander verknüpft, sagt Krause. „Man denke hierbei nur an die Digitalisierung. Neue Kompetenzen müssen aufgebaut werden, verteilte Zuständigkeiten sollten durch Anpassungsprozesse gebündelt werden“, sagt er. Das Projekt CAMO wird dabei seit seiner Einrichtung im Jahr 2019 von der Bergischen Universität zusammen mit den Projektpartnern Hochschule Ruhr West aus Bottrop und der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft durchgeführt. Die Arbeit von CAMO baut auf den Erfahrungen mit der Umsetzung anderer Neuerungen auf. „Viele Innovationsprojekte drohen in der Umsetzung zu scheitern, weil in der Praxis das dafür notwendige Wissen häufig nicht ausreicht“, sagt Krause. Das Projekt wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. Dadurch unterliege man allerdings auch anderen Rahmenbedingungen, wie der Innovationsforscher ergänzt. „Unsere Beratung kann hier nur eine Erstberatung sein.“ Das Ziel der Arbeit des Centrums könne daher nur sein, die Kommunen für das Thema automatisierte Mobilität aufzuschließen und in einem ersten Schritt konkrete Einsatzmöglichkeiten für die Kommune zu identifizieren. „Um nicht wettbewerbsverzerrend zu wirken, ist es im Rahmen von geförderten Projekten üblich, für Folge- oder Langzeitberatungen an andere Beratungsstelle zu verweisen. Wir geben unseren Ansprechpartnern dann die Kontakte von drei oder vier anderen Beratern, sodass sie sich entscheiden können, mit wem sie zusammenarbeiten wollen“, sagt Krause. Seit Herbst 2019 gibt es CAMO bereits – die Laufzeit des Projekts ist auf drei Jahre begrenzt. „Wir haben also ungefähr die Halbzeit erreicht“, sagt Krause. Die Corona-Pandemie habe dabei in den vergangenen anderthalb Jahren für keine größeren Verwerfungen gesorgt. „Sicherlich sind wir in unserer Vor-Ort-Beratung dadurch ein wenig eingeschränkt worden. Aber wir haben dann relativ schnell auf digitale Formate umgestellt. Wir hoffen, jetzt vermehrt in die Breite gehen und beraten zu können“, sagt Krause. Dies solle auch über Diskussionen mit den Entscheidern in den Kommunen gelingen. „Im Kern geht es darum, die bereits vorliegenden, strukturellen Anwendungsfälle gemeinsam zu konkretisieren“, sagt der Wissenschaftler. Und das könne durchaus unterschiedliche Ausformungen haben. So habe man etwa in Wuppertal bereits einige Gespräche geführt und befinde sich im Austausch über erste Ideen. „In Iserlohn hingegen unterstützen wir das dort bereits im Entstehen begriffene und geförderte Shuttle-Bus-Projekt beratend“, sagt Krause.

 Bedarfsanalyse in der jeweiligen Kommune

Informationen können sich die Kommunen durch Gespräche mit den CAMO-Beratern holen – oder über einen Newsletter, der regelmäßig über neue technischen und rechtlichen Entwicklungen im Bereich der automatisierten Mobilität informiert. „Darin sind auch Best-Practice- Beispiele aus der ganzen Welt enthalten. Denn auf diese Weise können die Kommunen zum Nachahmen angeregt werden“, sagt Krause. Grundsätzlich gehe es zu Beginn der Beratung aber um eine Bedarfsanalyse in der jeweiligen Kommune. „Dafür wurde der CAMO-Check entwickelt, ein Analysewerkzeug, das den Entscheidern durch systematischen Abgleich von Ist- und Soll-Situationen vor Ort die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen kann“, sagt Krause. „Es gibt nicht die eine richtige Lösung.“

 CAMO-NEWSLETTER:

Das Centrum für Automatisierte Mobilität hat einen Newsletter, der regelmäßig über aktuelle Entwicklungen informiert. Dieser kann auf www.camo.nrw/newsletter abonniert werden.

 Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Für das Projekt „Rethinking Mobility“

Gesa Horn

Projektleiterin

Bergische Universität Wuppertal

horn@uni-wuppertal.de

Für das Projekt „CAMO“

Dr. Michael Krause

Institut für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie

Bergische Universität Wuppertal

krause@uni-wuppertal.de

Wir freuen uns auf Ihren Besuch